Kindliche Hörtestungen

stellen manchmal ein schwieriges Problem dar. Nicht ohne Grund werden in Deutschland trotz aller Bemühungen kindliche Hörprobleme durchschnittlich erst mit etwa 2 ½ Jahren festgestellt.

Da Kinder ihr Problem oft nicht genau oder gar nicht beschreiben können und bei den sog. subjektiven Tests oft nicht so gut mitarbeiten können wie Erwachsene, stellen die kindlichen Hörtestungen besonders hohe Anforderungen an den Untersucher. Nur speziell geschulte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen führen bei uns diese Untersuchungen durch.

Umso wichtiger sind die Beobachtungen der Eltern oder des Umfeldes und die regelhafte Entwicklung der Sprache, die Reaktion und das Schreckverhalten auf Schallreize und das Reaktionsverhalten in der Umwelt. Stellen Sie hier Auffälligkeiten fest oder sind Auffälligkeiten in der Vorgeschichte wie familiäre Schwerhörigkeit, Risikoschwangerschaft, Früh- oder Mangelgeburt vorhanden, so muss eine weitere Abklärung erfolgen. Hierzu kommen folgende Testverfahren zum Einsatz.

1. Otoakustische Emissionen

Bei den OAE wird die Fähigkeit eines gesunden Ohres überprüft auf Schallreize sog "Echos" zu produzieren die man für verschiedene Frequenzen testen kann. Dieser Test unkompliziert, rasch ausgeführt und vollkommen schmerzlos und damit schon ab dem 2. Lebenstag geeignet frühkindliche Störungen aufzudecken. Es ist Bestandteil des sog. "Neugeboren Hörscreenings" (Link), ein Programm von der Universität Regensburg angeregt, an dem auch unsere Praxis teilnimmt.

2. Hirnstammaudiometrie

Ein Test, ähnlich wie ein EKG bei dem die Laufzeit von Schallimpulsen vom Innenohr zum Hirnstamm seitenvergleichend gemessen werden. Fallen die Messwerte nicht normal aus, muß von einer Hörstörung ausgegangen werden. 

Eine frühzeitige Hörgeräteversorgung oder die Implantation eines Cochlar Implant bei Kindern mit entsprechend schweren Hörstörungen kann die Entwicklung einer Sprachentwicklung oder der "Taubstummheit" verhindern, die glücklicherweise aber selten vorkommt. Beim Erwachsenen dient der Test dazu Veränderungen am Hörnerven selbst, z. B. das Akustikusneurinom zu erkennen.

3. Tympanometrie und Stapediusreflexmessung

Über eine Drucksonde im Gehörgang wird die Schwingungsfähigkeit des Trommefelles und das Reflexverhalten der Muskeln im Mittelohr überprüft. Der Test vermittelt einen Eindruck über das mechanische Verhalten des Mittelohres und lässt bedingt Rückschlüsse auf das Hörvermögen zu.

4. Tonschwellenaudiometrie und Sprachaudiometrie

Die Wahrnehmungsschwelle gegenüber leisen Tönen oder Sprache wird für verschieden Frequenzen gestestet, je nach Alter des Kindes angepasst. Bei kleinen Kindern kommt die Reaktions-audiometrie im Freifeld und später der sog. "Pilotentest" zur Anwendung, der kindgerecht durchgeführt den kleinen Kindern auch Spass bereiten kann. Hierdurch kann ein guter Eindruck über das Hörvermögen des kleinen Patienten gewonnen werden.

Besonderes Problem: Mein Kind lässt sich nicht untersuchen.....

In manchen Fällen haben Kinder Angst vor dem Arzt aufgrund vorangegangener schlechter Erfahrungen oder vor einer unbekannten Untersuchung. Manchmal haben sie auch nach einer schlechten Nacht infolge Ohrenschmerzen einfach keine Lust stillzuhalten und sich untersuchen zu lassen, wofür wir vollstes Verständnis haben (geht Ihnen und uns doch auch manchmal so). Nicht immer gelingt es uns, die Umstände in einem solchen Fall für Ihr Kind optimal zu gestalten. Manchmal ist es jedoch unabdingbar, dass Ihr Kind stillhält, um eine schmerzlose Untersuchung zu ermöglichen. Wir möchten Ihr Kind ja möglichst komplett und genau, d. h. mit Endoskopen und dem Mikroskop untersuchen. Nur so kann eine exakte Diagnose gestellt werden, die richtige Behandlung eingeleitet werden, Schmerzen schnell beseitigt werden und Folgeschäden oder eine Verschlimmerung der Erkrankung verhindert werden.

Eine Behandlung, die auf Vermutungen oder Gutdünken basiert, lehnen wir ab.

Versuchen Sie daher schon im Vorfeld Ihrem Kind die Angst zu nehmen indem Sie zu Hause mit dem Lieblingsteddy und dem Doktorkoffer trainieren oder sich selbst untersuchen lassen. Manchmal ist es auch hilfreich dem Kind an Ihnen selbst zu demonstrieren, das das "AHHH" Sagen kein Aua macht.

Sollte das nicht möglich sein, nehmen Sie Ihr Kind auf den Schoß wie beim Stillen, seine Beine zwischen Ihre, den Ihnen zugewandten Arm unter Ihre Achsel und den Kopf Ihres Kindes an die Brust. Ihr Kind fühlt sich so sicher, die Unruhe wird auf ein Minimum beschränkt und eine rasche und gründliche Untersuchung ist so möglich.