Reiseapotheke

Mad-Doc Zellers Reiseapotheke

Diese Auflistung von Medikamenten im Rahmen einer Reiseapotheke soll lediglich ein Anhaltspunkt sein, was man im Urlaub für alle Fälle dabei haben sollte. Sie ist in diesem Sinne minimalistisch und orientiert sich an meinen persönlichen Erfahrungen, die ich im Laufe meiner Tauch- und Auslandsreisen gewonnen habe.
Ausgenommen von dieser Liste sind selbstverständlich die eigenen, täglich benötigten Medikamente. Im Zweifelsfall gilt auch hier, fragen Sie Ihren Arzt wenn Sie sich im Urlaub mit medizinischen Problemen konfrontiert sehen und sich nicht zu helfen wissen am besten im Vorfeld einer Reise.

Vor Antritt der Reise empfiehlt es sich auch immer, einen Check bezüglich Impfschutz, dem körperlichen Zustand und vor allem bei Tauchern Ohren durchzuführen zu lassen, hier ist Vorbeugen immerhin besser als hinterher heilen zu müssen.
Generell für alle Länder, wie auch hier in Deutschland müssen der Tetanus- und der Polio-Schutz ausreichend sein. Zusätzlich sollten bei Reisen in entsprechende Länder die verschiedenen Hepatitis Formen per Impfung abgedeckt sein, über Malaria und alle weiteren Infektionskrankheiten ist kompetenter Rat bei Ihrem Arzt einzuholen oder ein Tropeninstitut zu Rate zu ziehen.
Da die häufigsten Erkrankungen, vor allem bei Tauchern die Ohren und den Magen-Darmtrakt betreffen, werde ich hier etwas ausführlicher informieren.

Magen-Darm

Cook it, peel it or forget it, heißt die Devise im Ausland, dann kann man seine Medikamente meist in der Verpackung lassen. Auf verschlossene Flaschen bei Getränken muss man achten, ansonsten diese zurückgehen lassen. Auch beim Zähneputzen nur "Baraka" nehmen und bei Drinks an der Bar keine Eiswürfelchen verwenden. Tritt dennoch einmal Montezumas Rache auf, will der Darm loswerden was ihn stört, daher sind Kohle-Tabletten nicht so günstig, denn sie binden die Stoffe im Darm. Bei leichten Störungen und als Vorbeugung empfiehlt sich Perenterol forte mit Tee und Reis als Diät sowie Verzicht auf kalte Getränke.

Bei flüssigem, häufigem Stuhl muß man vor allem vor dem Rückflug auf Immodium zurückgreifen, die gibt es auch als Sublingual Tabletten. Das Tauchen ist mit Immodium nicht zu empfehlen.
Ist der Stuhl blutig und schmerzhaft und häufig oder gar mit Erbrechen verbunden, hat man sich eventuell eine Ruhr eingefangen und der Arzt muß konsultiert werden. Als Hilfe zur Selbsthilfe, wenn ein Arzt nicht verfügbar ist, helfen am besten Pentofuryl Kapseln. Dieses Antibiotikum wirkt nur im Darm und wird vom Körper nicht aufgenommen. In Ägypten wird es unter anderem Namen als Standard bei Durchfall eingesetzt. Als teurere Alternative gilt Ciprobay. Diese Mittel wird allerdings über den Darm vom Körper aufgenommen.

Das man bei Durchfall auf entsprechende Flüssigkeitsergänzung sowie ein Tauchverbot beachten muß, versteht sich von selbst. Elektrolyte zur Substitution gibt's als Mineraldrink bei ALDI. Elotrans ist auch gut, kann aber bei höherer Dosierung selbst Durchfall verursachen.

Ohr- und Nebenhöhlenprobleme

Im Urlaub selber auf eigene Manipulationen am Gehörgang (GG) unbedingt verzichten. Für empfindliche Taucher gilt: Sobald als möglich nach jedem Tauchgang den GG mit sauberem Trinkwasser (z. B. Mineralwasser) spülen. Anschließend eventuell den GG vorsichtig und schonend Trockenföhnen. Wer empfindlichere GG hat, kann anschließend einen Tropfen dünnflüssiges Paraffinöl hineingeben um die Haut geschmeidig zu halten.
Wenn der GG juckt, evtl. treten leichte Schmerzen bei Zug am Ohr oder Druck auf den GG auf. Möglichst jetzt schon eine Inspektion des Ohres durch einen Arzt oder (wenn Medizinmann Mangelware) den Tauchlehrer oder Basisleiter, die oftmals autodidaktisch erstaunlich viel von Ohren verstehen. Er entscheidet dann nötigenfalls über weitere Verfahrensweise. Ist keine Inspektion möglich oder zeichnet sich eine Reizung des Gehörganges ab, kommen die sog. Ehm´schen Lösungen zum Einsatz. Das sind Gemische aus Eisessig und Alkohol, welche den GG desinfizieren und das saure Milieu wieder herstellen sollen.
Treten bei meist noch funktionierendem Druckausgleich Schmerzen auch beim Kauen, Hörverlust, evtl. Sekretion aus dem zugeschwollenen GG auf, ist das der Ernstfall.
Das Behandlungskonzept besteht aus nun zunächst abschwellenden Maßnahmen durch Einbringen eines Gaze Streifens in den GG der mit 70 % Alkohol getränkt ist. Alle Stunde wird er durch den Taucher selbst mit Alkohol befeuchtet. Dieser Streifen desinfiziert und die Schwellung nimmt rasch ab. Gegen die Schmerzen werden bei Bedarf z. B. Paracetamol (20-40mg/KG Körpergewicht alle 4 Stunden) oder noch besser Diclofenac verabreicht.
Nach ca. 12-24 Stunden ist der GG so weit abgeschwollen, daß man den Streifen gegen eine Salbenstreifen (z.B. Polyspectran HC oder Jellin) oder besser antibiotikatropfenhaltigen Streifen (Tarivid, Floxal etc.) auswechseln kann. Er soll 2 Tage belassen oder wenn er aus dem Gehörgang rausfällt gewechselt werden und etwa 4-5 mal täglich kräftig mit eben diesen Tropfen befeuchtet werden. Orale Antibiotikagabe ist meist nicht nötig, außer wenn die Lymphknoten am Hals geschwollen und schmerzhaft sind, Fieber auftritt oder beim Diabetiker.

Unter Urlaubsbedingungen ist meist nach wenigen Tagen das Tauchen nach diesem Therapiekonzept wieder möglich.
Bei Druckausgleichsproblemen sowie einem Barotrauma im Ohr- oder Nebenhöhlenbereich kommt Nasenspray z.B. von ratiopharm 3 x tgl. zur Anwendung, zusätzlich Diclofenac ratio zum Abschwellen und fleißig Kaugummie kauen.
In den USA gibt es ein Medikament mit Namen Sudafed zum Abschwellen der Schleimhäute, hier allerdings nur schwer erhältlich und das Tauchen nach Einnahme dieses Medikaments ist nicht ratsam.
Bei Barotraumata helfen auch gut Soledum Kapseln, die den Schleim, der sich dabei zwangsläufig bildet gut zum Ablaufen bringt, genauso wie auch beim banalen Schnupfen.
Bei ernstem Barotrauma des Mittelohres kann von einem erfahrenen Arzt auch eine Mischung aus Diclofenac und Dexabene, einem Corticoid intramuskulär gespritzt werden. Das ist allerdings ein pharmazeutischer Hammer, gemeinhin bei mir als Bombe bezeichnet. Über das sog. "Fitspritzen" an sich kann man geteilter Meinung sein, ich wende es eigentlich nur in Notfällen an, wenn die Schmerzen ins Unerträgliche gehen oder unbedingt getaucht werden muß. 

Seekrankheit

Ein leidiges Thema, weil die meisten auf dem Markt erhältlichen Mittel zentral wirksam sind und sich bei Einnahme oder Verwendung der Pflaster damit das Tauchen erledigt (Reisegold, Scopoderm Pflaster, Superperp Kaugummi usw.).
Weniger zentral wirksam was das Tauchen anbelangt soll Cinnarizin sein. Aber auch hier ist dringed Vorsicht angeraten, vor allem was die in größere Tiefen anbelangt.
Cocculus, ein homöopathisches Medikament bzw. Zintona ist überhaupt nicht zentral wirksam, beeinträchtigt den Taucher in seinen zentralen Leistungen gar nicht, wirkt aber nicht so sicher bei jedem Taucher.
Die sog. Sea-bands sind ähnlich wirksam wie Cocculus oder Zintona. Man muß aber auch dran glauben. Zum Verhalten auf dem Schiff: Ruhigre Mitte aufsuchen, Blick in Fahrtrichtung an den Horizont, ggfls. stehend ausharren. Es gibt auch eine Reihe von traditionell chinesischen Ohrakupunkturpunkten, die ich schon mehr oder minder erfolgreich bei Seekrankheit angewendet hat.

Fieber-Allgemeininfekte

Bei Unwohlsein nicht Tauchen. Ein fiebersenkendes Medikament gehört aber in jede Apotheke in Form von Aspirin plus C, die Einnahme tut auch der Fließgeschwindigkeit des Blutes beim Taucher gut.
Ob und inwieweit ein Antibiotikum in die Reiseapotheke gehört sollte der Gesundheit des Tauchers entsprechen. Bei Mittelohrentzündungen ist Amoxicillin, sofern verträglich, das Mittel der ersten Wahl, auch beim perforierten Trommelfell ist es sinnvoll einzusetzen. Besser jedoch ist ein Cephalosporin, weil es auch bei vielen anderen bakteriellen Infekten eingesetzt werden kann. DAS Antibiotikum für alles gibt es im eigentlichen Sinne nicht.
Hier berät Sie Ihr Taucherarzt.

Hautverletzungen

Der Alkohol für das Ohr kann natürlich auch bei Hautverletzungen, nach einer gründlichen Süßwasserreinigung mit Seife, zur Hautdesinfektion verwendet werden. Ebenso Octenisept, was ich in einer kleinen Sprühflasche immer mitführe.
Nässelungen zuerst Reinigen, dann mit Tavegil Gel und später mit Corticoidhaltiger Salbe bestreichen (Ecural) bei bakterieller Superinfektion auch mit Aureomycin. Gegen die lästigen Stechmücken hilft am allerbesten Antibrumm aus der Schweiz, Nomen est Omen, bei allen anderen Mitteln kam ich mir eher wie ein leckeres Honigbrötchen vor.